Der Wettermacher

Wenn sich das Wetter schlecht läßt an,
Hab‘ ich den Trost erdacht:
Der Himmel, der es ändern kann,
Der sehe zu! was geht‘s mich an?
Hab ich‘s doch nicht gemacht!

Und wann die Luft sich aufgehellt,
Wie es mein Herz begehrt,
Dann blick‘ ich freudig in die Welt,
Als hätte man‘s bei mir bestellt,
Und ich hätt‘ es beschert.

Friedrich Rückert (1788-1866)
Haus und Jahr, Zweites Buch, Sechste Reihe, Herbst

Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug,
Werde der Herbst dir noch tragen!

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Immer zu streicheln, zu kosen.
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends verstreut er die Rosen.

Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
Bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist ein Wind und ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.


Friedrich Rückert (1788-1866)
Haus und Jahr, Viertes Buch, Sechste Reihe, Herbst, Herbstlieder
Vertont von Hans Pfitzner (1869-1949), Opus 29,2