Alles ist so mailich im Mai

Alles ist so mailich im Mai,
Der Nachtigall Sang, des Kukuks Schrei,
Des Baches Rieseln, der Lüfte Hauch,
Und der säuselnde Blüthenstrauch;
Wären so mailich die Menschen auch!
Aber sie reden ihr trocknes Wort
Mitten im Maienthau so fort;
Wie störend tönt mich's an von dort!
Geh' ihnen aus dem Wege,
Tief allein in's Maiengehege!
Nur vielleicht ein Kindlein singt,
Das der Maihauch rein durchdringt,
Wie der Vogel von Lust beschwingt;
Das wird auf Waldespfaden
Der Maienlust nicht schaden,
Es sei in's Geheg' geladen!


Hochdeutsche Liebesnot

O wenn ich doch nur rede könnt
Gut fränkisch, wie mei Mädle,
Daß sie besser mich verständ
Des Nachts am Fensterlädle,

Red' ich noch so schöne Sachen,
Fängt sie halt hell an zu lachen,
Sagt: Sei still, i bitt,
Ich versteh di ja nit,

Und wenn ich nur e Wämsle hätt,
Und so e fränkisch Jäckle,
Daß sie mich herzhaft drücke thät
Beim Tanz an's Busefleckle.
Dünk' ich mich gleich recht geputzt,
Schaut sie quer mich an und stutzt,
Sagt: das is mer e Schnitt;
Geh', du gefällst mer nit.

Und wenn ich nur könnt Waffe führ'n
Als wie e fränkischer Bauer;
Wenn ich einmal was an will rühr'n,
Sieht sie gleich drein so sauer.
Greif ich nur nach ihrem Rechen,
Schreit sie: Ruh, du wirst dich stechen,
Kennst mein'n Rechen nit,
Sollst mir nit rechen damit.

O du hochdeutsch Vaterland,
Wie bringst du Sorgen mir leider,
Weil ich hab' hochdeutschen Verstand,
Hochdeutsche Sprach' und Kleider.
Hätt' ich Art wie 'n fränkisch Büble,
Ließ mich's Mädle Nachts in Stüble,
Schrie nit gleich immer nit! nit!
Sobald ich sag', i bitt!